Nach einigen vergeblichen Anläufen war es nun endlich soweit und ich trat meine erste Reise ins ehemalige Jugoslawien an. Die Einladung meines Buddys Sigi – ein Schweizer mit serbischen Wurzeln – auf einen Roadtrip  zum DUK FESTIVAL nach Serbien konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Ausserdem mit an Bord: AKRYL, SMEG, REYA und BATEN – allesamt Schweizer Graffitiwriter und eine sehr sympathische Reisegruppe.

Über Italien, Slowenien und Kroatien führte unser 1300km Trip als erstes nach Belgrad – dem Tor zum Balkan. Die 1,5 Millionen-Stadt gehört zu den größten Metropolregionen Südosteuropas und liegt direkt an der Donau, welche hier bis zu 750m breit ist. Von 1991 an fiel das gesamte Land von einer Krise in die nächste, was schließlich den Kosovokrieg und ein 78 tägiges Bombardement durch die NATO zur Folge hatte. An einzelnen Stellen sind im Stadtbild nach wie vor Kriegsruinen zu sehen, die weder abgetragen noch wiederaufgebaut wurden. Einige sollen als Mahnmal bleiben.

Doch Belgrad hat sich aufgerappelt und schaut nach vorn. Wie fast überall auf der Welt hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte auch in Serbien eine starke Hip Hop- und Graffitiszene gebildet, was man im Stadtbild unschwer erkennen kann. Auch der Graffititourismus hat hier Einzug gehalten, denn man sieht allerlei Namen bekannter europäischer Writer und Crews in den Straßen.

Unser erstes Ziel war BEOWALLZ – der wohl beste und bekannteste Graffitishop Belgrads, wo wir bereits von JEST21 und HOPE erwartet wurden und uns mit reichlich Material eindeckten. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit dem besten Cevapcici der Welt ging die Tour weiter ins ca. 2h entfernte Čačak – eine 70.000 Einwohner-Stadt, in der auch das Festival stattfand. Nach ca. 26 Stunden Wachsein und einigen Schnäpsen begrüßte uns ENDO – Graffitikünstler und Mitorganisator des Festivals , um uns in die lang ersehnte Unterkunft zu bringen, denn so langsam wurde es Zeit für ein kleines Nickerchen.

Das DUK FESTIVAL ist das grösste Jugend-& Subkulturfestival der Region. Neben Graffiti und Streetart – verteilt über die gesamte Stadt – gab es Breakdance-Battles, Skatecontests und jede Menge Musik. Untermalt wird in Serbien scheinbar alles mit reichlich selbstgebranntem Rakija (vorzugsweise in Plastikflaschen). Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit – es gibt immer einen Grund für ein Schnäpschen. Als Ungebübter ne ganz schöne Herausforderung, doch auch das ist Zeichen der unglaublichen Gastfreundschaft der Serben.

In puncto Graffiti hatte ich das Vergnügen, 2 Wände und einen ausrangierten Zug mit meinem Partner in Crime BATEN aus St.Gallen (CH) zu lackieren. Auch wenn uns die Temperaturen jenseits der 30 Grad schon zu schaffen machten, denke ich, dass wir ganz gut abgeliefert haben. Wir hatten jedenfalls eine sehr gute Zeit.

Unsere Rückreise zog sich dann doch noch um einiges länger als geplant und wir waren sage und schreibe 21 Stunden unterwegs. Unser Fahrer Sigi hat sich nicht davon abbringen lassen, beide Strecken ohne mit der Wimper zu zucken durchzuziehen und dabei auch noch gute Laune zu verbreiten. Big Ups mein Freund!

Alles in Allem ein genialer Trip, der nach Fortsetzung schreit.

 

 

 

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