Vukovar – im äußersten Osten Kroatiens gelegen – ist wohl einer der geschichtsträchtigsten Orte des ehemaligen Jugoslawiens. Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt durch die Schlacht von Vukovar zwischen September und November 1991, in der allein auf Seiten der Verteidiger über 1400 Todesopfer und mehr als 4000 Verletzte zu beklagen waren. Die Stadt an der Donau wurde durch diese Schlacht nahezu komplett zerstört.
Umso schöner, dass trotz der unfassbaren Wunden des Krieges wieder etwas Leben eingekehrt ist und man nach und nach versucht, aufzuarbeiten, aufzubauen und vor allem nach vorn zu denken.
Als im Frühjahr 2020 die Anfrage einflatterte, ob ich nicht Lust hätte, im Rahmen des VUKOVART FESTIVALS dieses Jahr eine große Fassade in der Stadt zu gestalten, hab ich nicht lang überlegt. Mit meinem alten Kumpel RAIN, den ich kurzerhand zu meinem Assistenten machte, ging es also ins ehemalige Jugoslawien. Der erste Lockdown in Deutschland und er Schweiz war halbwegs ausgestanden und ich war ehrlich gesagt auch wirklich froh, meine erste Reise in 2020 anzutreten. Dass es meine letzte bis Mitte 2021 sein würde, hatte ich damals noch nicht auf dem Schirm. Den Flughafen Zürich hatte ich noch nie so leer gesehen. Ebenso war es mehr als komisch, in einem sehr kleinen und trotzdem fast leeren Flugzeug zu fliegen.
Das Team in Vukovar hat sich für uns wirklich super ins Zeug gelegt und alles war perfekt vorbereitet. Ausserdem waren zu diesm Zeitpunkt noch meine bulgarischen Freunde Arsek&Erase vor Ort, um ebenfalls eine Fassade zu gestalten. Somit war auf jeden Fall schonmal für gute Laune gesorgt, denn die beiden sind einfach unschlagbar sympathische Typen und darüber hinaus noch wirklich wahnsinnig talentierte Künstler.
Allerdings verfliegt bei einem solchen Projekt die Zeit wie im Fluge. Zum Glück waren wir allerdings recht gut in der Zeit, so dass wir nach geleisteter Arbeit noch ein wenig die Gegend auf den Fahrrädern erkunden konnten und die restlichen Farben aufs Gemäuer gedampft haben. Zur allergrössten Freude tauchte am vorletzten Tag sogar noch ein guter Freund von mir aus der Schweiz auf. Als gebürtiger Kroate und Graffitienthusiast wollte er es sich nicht nehmen lassen, uns seine Hood persönlich zu zeigen und uns einen Tag lang in dieser geschichtsträchtigen Gegend herumzuführen. Vielen vielen Dank!
Alles in Allem ein Trip, den ich so schnell nicht vergessen werde. Von selbstgebranntem Schnaps, superfreundlichen Locals, nächtlichen Graffitiausflügen, zerschossenen Häusern oder kroatischen Hooligan-Treffs könnte ich noch stundenlang erzählen.
Das ehemalige Jugoslawien hats mir auf jeden Fall schwer angetan und es war garantiert nicht mein letzter Trip auf den wilden Balkan.

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